Warum Härte dich nicht stärker macht!

Warum Härte dich nicht stärker macht. Und was wirklich hilft, wenn du scheiterst

Einleitung

Leistungssport lebt von Resultaten. Von Toren. Von Zeiten. Von Rankings.

Doch was passiert, wenn dein Wert als Athlet:in nur noch vom letzten Ergebnis abhängt?

Aktuelle sportpsychologische Forschung zeigt deutlich: Wenn Leistung alles dominiert, kann das langfristig die mentale Gesundheit schwächen. Gleichzeitig zeigen mehrere Studien, dass zwei Faktoren besonders helfen, mit Fehlern und Rückschlägen besser umzugehen: Selbstmitgefühl und Growth Mindset.

Was das genau bedeutet und was du konkret daraus machen kannst liest du hier.

Wenn Leistung zur einzigen Identität wird

Eine aktuelle Studie von Frentz, McHugh und Mosewich (2025) untersuchte Hochleistungsathletinnen mit stark ausgeprägtem Selbstmitgefühl. Die Forscherinnen zeigten: Wenn Athletinnen sich ausschliesslich über Leistung definieren, entsteht langfristig mehr Druck und innere Instabilität.

Athletinnen mit hohem Selbstmitgefühl erzählten ihre sportliche Geschichte anders. Sie beschrieben Entwicklung, Balance und persönliches Wachstum – nicht nur Sieg oder Niederlage.

Das bedeutet nicht weniger Ehrgeiz. Es bedeutet mehr Stabilität.

Selbstmitgefühl ist kein „weich sein“

Selbstmitgefühl heisst nicht: sich gehen lassen.

Es bedeutet:

·      freundlich mit sich selbst sprechen

·      verstehen, dass Fehler menschlich sind

·      schwierige Gefühle wahrnehmen, ohne sich darin zu verlieren

Mehrere Studien zeigen: Athlet:innen mit höherem Selbstmitgefühl erleben

·      weniger Angst und Scham

·      weniger Grübeln nach Fehlern

·      stabilere wahrgenommene Leistung

Steigt beispielsweise das Selbstmitgefühl bei Athlet:innen an, sinkt die Selbstkritik und die wahrgenommene Leistung verbessert sich. Einfach gesagt:
Wer sich nach Fehlern nicht selbst zerlegt, kommt schneller zurück.

Growth Mindset: Wie du Fehler deutest

Growth Mindset bedeutet: Du glaubst, dass Fähigkeiten durch Training und Lernen wachsen können. Toktas und Köse (2025) hierfür Profisportler:innen .
Das Ergebnis: Athlet:innen mit mehr Selbstmitgefühl und stärkerem Growth Mindset gingen deutlich besser mit Leistungsversagen um.

Vereinfacht gesagt:

Growth Mindset hilft dir zu denken: «Ich kann daraus lernen.»

Selbstmitgefühl hilft dir zu fühlen: «Ich bleibe wertvoll auch wenn ich Fehler mache.»

Beides zusammen macht dich wirklich stabil.

Warum Härte allein nicht reicht

Viele glauben: Strenge Selbstkritik macht stärker. Die Forschung zeigt eher das Gegenteil. Zu viel Leistungsdruck ohne emotionale Regulation erhöht das Risiko für Angst, Grübeln und mentale Erschöpfung.

Du kannst wissen, dass Fehler Lernchancen sind und dich trotzdem innerlich fertig machen. Deshalb braucht es neben Leistungsdenken auch emotionale Kompetenz.

Konkrete Umsetzung im Alltag

Nach einem Fehler:

1.     Technische Frage: Was kann ich konkret verbessern?

2.     Innere Frage: Wie rede ich gerade mit mir?

Kurze Selbstmitgefühls-Formel:

«Das war schwierig. Fehler passieren allen. Was hilft mir jetzt konstruktiv weiter?»

Trainer:innen sollten Fehler im Training bewusst normalisieren und Prozess-Feedback geben – nicht nur Ergebnis-Feedback.

Was das für mein Coaching bedeutet

Mentale Stärke entsteht nicht durch Härte allein. Sie entsteht, wenn du lernst, Fehler sachlich zu analysieren und dich emotional stabil zu halten.

Genau daran arbeite ich im Coaching:
Wie interpretierst du Rückschläge? Und wie sprichst du in diesen Momenten mit dir selbst?
Denn dort entscheidet sich, ob ein Fehler dich schwächt oder wachsen lässt.

Fazit

Leistung ist wichtig. Aber wenn sie dein einziger Wertmassstab wird, wird jeder Fehler zur Bedrohung. Selbstmitgefühl stabilisiert dein emotionales System. Growth Mindset strukturiert dein Denken. Gemeinsam bilden sie die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit und psychische Gesundheit im Leistungssport.

Verwendete Quellen

·      Frentz, D., McHugh, T., & Mosewich, A. (2025). Journeying Through Sport With Self-Compassion: Athlete Narratives of Navigating Pressure and Struggle. Journal of Sport & Exercise Psychology.

·      Kuchar, A., Neff, K., & Mosewich, A. (2023). Resilience and Enhancement in Sport, Exercise, & Training (RESET): A Brief Self-Compassion Intervention with NCAA Student-Athletes. Psychology of Sport and Exercise.

·      Toktas, E., & Köse, N. (2025). Predicting Coping with Performance Failure by Self-Compassion and Growth Mindset in Professional Athletes. Health Nexus, 3(3), 1–9.

 

Dieser Beitrag ist Artikel Nr. 10 der Blogreihe MentALLab, in der ich regelmässig wissenschaftliche Studien aus Sportpsychologie und Coaching aufarbeite.
Mein Ziel: komplexe Erkenntnisse verständlich machen – und Impulse für die Praxis geben.

Willkommen im MentALLab - hier beginnt das Spiel vor dem Anpfiff.

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